Es brennt so schön.

Alles brennt so schön. In mir und um mich herum.

Ich habs bemerkt, als ich grinsend die Straße lang gelaufen bin, nur weil ein einfacher Satz von dir kam. Ich habs an dem Schmerz bemerkt, der eintritt, wenn du gehst. Und dieses gute Gefühl, wenn du bleibst.

Es brennt in mir. Wenn ich lange deine Lippen betrachte und Angst habe, dich doch zu fragen, ob ich dich küssen kann. Es brennt in mir, wenn du lachst.

Es brennt aber auch, wenn du mit anderen Menschen flirtest. Wenn du lachst, wenn ich nicht dabei bin. Wenn du glücklich bist, wenn ich nicht dabei bin.

Es brennt in mir, wenn du traurig bist. Wenn du diesen Ton in der Stimme hast, wenn du wütend bist.

Es brennt in mir, wenn du sagst, was du von mir hälst. Wenn ich das Gefühl habe, ich bin dir was wert.

Aber es brennt auch in mir, wenn du von ihr sprichst. Wenn ich bemerke, dass es in dir nicht brennt.

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Lebhafte Baustellen

Wie vielen Menschen da draußen geht es so, wie mir?

10.000? 10.000.000? Oder 10.000.000.000?

Da ist dieses Gefühl. Ich schaue um mich. Alle Wände sind voll gehängt mit To-Do Listen. Dann da ein offenes Rohr und da ein Quadratmeter, wo noch Fliesen gelegt werden müssen. Unter mindestens drei Waschbecken stehen Eimer, in denen das Tropfen des Wassers widerhallt.

Mein Puls schlägt 89. Mindestens. Und so schnell, wie mein Herz schlägt, füllen sich die Eimer unter den Waschbecken mit Wasser. Sie laufen fast über. Aber nur fast. Weil dann doch ein Stückchen fehlt. Ein Stückchen mehr, sodass es das Wortspiel und die Metaphern zum überlaufen bringen könnte.

Lebend Schreiben.

Schreiben.

Ich mag es. Ich mag es sehr.

Ich mag es, wenn Wörter auf Blättern Papier stehen und viel Sinn ergeben. Mehr, als wenn man sie nur im eigenen Kopf behält. Anstatt nur für sich an alle weitergibt. Schreiben ist Teilen. Schmerz, Trauer, Hoffnung, Wut und auch Glück. Schreiben ist Therapie und auch Realitätsentfernung. Schreiben ist das Klicken der Tastatur, das Kratzen des Stiftes auf Papier. Schreiben ist irgendwo mit Musik in den Ohren zu sitzen, sich weg zu träumen, aber auch sich von dem Ort inspirieren lassen. Schreiben ist nicht schlafen zu können, weil einem Dinge durch den Kopf schweben, die man gerne aufschreiben und behalten möchte. Weil man dann doch zu leicht etwas vergisst. Schreiben ist Wolkenmeere erschaffen, Türme zu erbauen und sie häufig auch wieder einstürzen zu lassen. Schreiben ist das, was ich bin, versuche zu sein und etwas, worin ich mich finden und verlieren kann. Schreiben ist wandelbar, gleichbleibend, wild, ruhig, ein Prozess und etwas plötzliches in allem. Schreiben ist Scheitern. Schreiben ist der Drang Notizbücher zu kaufen und gefüllte Word Dokumente zu sehen. Schreiben ist Realitätsmalerei. In schönen Farben. Schreiben ist Lügen und gleichzeitig zwischen den Zeilen Wahrheiten aussprechen. Man muss sie nur lesen wollen.

Schreiben ist Entspannung. Schreiben ist Reflexion. Schreiben ist eine aneinander Reihung von Wörtern, die einen blitzschnell in den Kopf kommen und dann Sinn ergeben. Oder auch nicht. Schreiben kann auch sein, dem blinkenden Strich zuzuschauen und das Weiß des imaginären oder nicht imaginären Blatt Papier in die Augen stechen zu lassen.

Schreiben ist Unzufriedenheit. Bei mir. Schreiben ist Zufall. Schreiben ist Stimmung. Schreiben geht in einer endlosen Beziehung mit Lesen überein. Schreiben ist das, was ich will.

„Die lieben und lieben und lieben und lieben und lieben und lieben, als wäre es das Leichteste der Welt.“ – Kid Kopphausen

Und wir denken, wenn etwas schlimmes passiert, hört die Welt sich aufzudrehen und wir auf zu leben. Wir denken, unser Herz muss doch irgendwann aufhören zu schlagen, so voller Schmerz. Doch es schlägt weiter. Wir haben das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, weil alles so schlimm ist, doch wir atmen weiter und weiter und weiter und unser Herz schlägt weiter und weiter und weiter und weiter. Wir spüren immer noch das Blut durch unsere Adern fließen, obwohl wir uns eigentlich schon halb tot fühlen. Es fließt wie ein Wasserfall, der erst in ferner Zukunft aufs Wasser unter ihm trifft und dort eins wird oder erlischt, so hoffen wir’s, trotz dem Wunsch, einfach nicht mehr zu atmen, damit dieser Schmerz aufhört, weil er so lähmt.

Doch die Welt dreht sich weiter. Immer wieder weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und wir atmen, wir spüren unser Herz schlagen, das Blut durch unsere Adern fließen und wir lieben und lachen und lieben und weinen und schreien und wollen Wände einschlagen, aber irgendwann, ja, irgendwann, wird alles gut. Und für das leben wir. Nicht?

Ich bin.

Ich bin. Verwirrt, Verzweifelt und Traurig.

Glücklich, Sarkastisch und Ironisch.

Neidisch, Unausgeglichen und Verunsichert.

Trotzig, Naiv und Beleidigt.

Verletzlich, Aufmerksam und Emphatisch.

Tolerant, Herrisch und Sprunghaft.

Melancholisch, Pathetisch und Poetisch.

Süchtig, zu Stolz und Feige.

Mutig, Selbst-ironisch und Selbst-Reflektierend.

Nett, Nicht-Selbstbewusst und Ehrlich.

Standhaft, Nicht-Ehrgeizig und Nicht-Geizig.

Lebensfroh, Dramatisch und Panisch.

Optimistisch, Antikapitalistisch und Rational.

Zu laut, Zu leise und Schwach.

Stark, Bequem und Kompliziert.

Ich bin ängstlich. Immer. Doch es wird besser.

Totschreiben

Ich sitze mal wieder hier. Tippe und Tippe. Atme. Denke bei jedem Wort, das auf meinem Bildschirm erscheint nur an dich. Bei Wörtern wie „Du“, „Er“, „Sie“. Bei jedem „und“ und „oder“. Bei jedem „Ich“, bei jedem „wir“ und auch bei jedem „uns“.

Ich habe das Gefühl, ich kann das richtig gut: an dich denken. Ich tue es so oft, eigentlich besteht mein ganzer Tag daraus. Wenn du ein Studienfach wärst oder mein Schulabschluss, würde ich dich mit einer Note von 1,0 abschließen. Wahrscheinlich würde mir noch eine Auszeichnung verliehen werden. Mit dem Lob, dass ich so viel Kraft und Zeit dafür geopfert hätte. Für dich.

Aber du bist kein Studienfach. Du bist das leider nicht. Du bist „nicht mehr da“. Es kommt mir wie ein Adjektiv vor. Ein Sein-Wort. Ich will es nicht als Verb lesen. Es soll kein Verb sein. Du bist es. Du bist „nicht mehr da“. Du bist so nicht mehr da, wie du auch witzig, fürsorglich, intelligent und oft auch emotional bist. Oder warst.

Du bist es immer noch. Bloß nicht mehr hier. Du bist noch, du existierst noch, du atmest noch, du fühlst wahrscheinlich auch noch. Doch du tust es nicht mehr hier. Sondern dort. Und dort ist nicht hier. Und hier bin ich. Und das macht keinen Sinn. So wie die ganzen Worte keinen Sinn mehr machen seit dem du „Nicht mehr da bist“. „Weg bist“. Seit dem du nur noch „warst“ und nicht mehr „bist“.

Dieser Text macht keinen Sinn. Kein einziges Wort, kein Satzzeichen und auch kein Leerzeichen. Es macht einfach nichts mehr Sinn. Außer, dass ich bei jedem Wort, bei jedem Satzzeichen und bei jedem Leerzeichen an dich denken muss. Und sich bei jedem Atemzug meine Lunge zusammen zieht und es sich anfühlt, als ob ich keine Luft mehr bekommen würde. Weil ich die Vergangenheitsform des Verbes „sein“ verwenden muss. Weil ich vor „da“ ein „nicht mehr“ setzten muss.